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Es werden Posts vom September, 2020 angezeigt.

Kunstmaler auf Abwegen

"Zweimal war ich bei den Russen in Gefangenschaft", schilderte der 48-jährige tschetschenische Asylwerber vor Gericht seine Fluchtgründe. Er leide unter Angstzuständen und wisse oft nicht, was er mache, erzählte der Mann, der in seiner Heimat als Kunstmaler gearbeitet hatte. Am 28. Februar 2007 sei es ihm, so der Angeklagte, "schlecht gegangen". Deshalb habe er in einer niederösterreichischen Stadt das Hallenbad aufgesucht. An diesem Tag wurden vier Garderobenkästchen aufgebrochen. "Ich hatte das Kästchen mit der Nummer 78", berichtete ein Zeuge. Während er sich umzog, habe er den Angeklagten gesehen, der sich mit einem Mann in Lederjacke unterhielt. Zur Sicherheit steckte der Badegast sein Handy in die Jackentasche und versperrte das Kästchen. Als er vom Baden zurückkam, war das Kästchen aufgebrochen. Das Handy im Wert von 540 Euro fehlte. Aufgebrochen waren auch drei weitere Garderobenkästchen. Einer der betroffenen Badegäste vermisste seinen Autoschlüss...

Fünf Jahre Haft für Tankstellenraub

Zuerst habe er geglaubt, sagte der Tankwart vor Gericht, es sei ein Spaß. Dann habe der schmächtige Mann mit der Sturmhaube vor dem Gesicht und der Pistole in der Hand gerufen: "Geld her!" In diesem Moment sei ihm klar geworden: "Hoppla! Das ist kein Spaß!" Am 23. Jänner 2006 hatte ein damals 30-jähriger Mann eine Tankstelle im Burgenland überfallen. Danach setzte sich der gebürtige Türke ins Ausland ab, wurde per internationalem Haftbefehl zur Fahndung ausgeschrieben und in Deutschland verhaftet. Vor Gericht schilderte der Angeklagte im April 2007 seine triste Lage. Er sei vor dem Raubüberfall bereits ein halbes Jahr arbeitslos gewesen, habe 5000 Euro Schulden gehabt und kurz vor dem Rauswurf aus der Wohnung gestanden. Seine Freundin, die als Prostituierte arbeitete, habe gedroht, ihn zu verlassen. Am 23. Jänner 2006 besuchte er die burgenländische Tankstelle bereits am frühen Nachmittag. Er trank einen Kaffee und plauderte in der angeschlossenen Werkstatt mit eine...

Polizeiwillkür an der Grenze

Das ungarische Ehepaar wusste nicht, wie ihm geschah: An der Grenze zu Österreich wurden die Urlauber am 2. Juni 2006 von einem österreichischen Grenzpolizisten angehalten. Stundenlang durften sie nicht weiterfahren. Der Polizist hatte ihnen die Reisepässe abgenommen und 100 Euro gefordert, weil das ungarische Auto keine Vignette für das österreichische Autobahnnetz aufwies. Zehn Monate später musste sich der Polizist wegen des Vorwurfs des Amtsmissbrauchs vor Gericht verantworten. Der Ungar, selbst Polizeibeamter, hatte sich die Behandlung nicht gefallen lassen und Anzeige erstattet. "Dienstlich bin ich suspendiert, sonst bin ich niedergeschlagen", erklärte der 51-jährige Angeklagte. "Es tut mir fürchterlich leid, dass das passiert ist", führte er aus. "Ich habe mich an der Nase herumgeführt gefühlt." Ihm seien die "Nerven durchgegangen", weil er wisse, wie schwierig es sei, von Italien nach Ungarn auf der Bundesstraße zu fahren: "Da brauch...

"Habe laut gedacht"

Das Unheil nahm seinen Lauf, als ein 30-jähriger Barkeeper auf der Schnellstraße "Arschloch" beim Seitenfenster jenes Autos hinausrief, das seine Freundin am 29. November 2006 gegen 23.30 Uhr nach Hause lenkte. Das Schimpfwort des massiv alkoholisierten Beifahrers galt jenen Polizeibeamten, die das Auto einer Geschwindigkeitsmessung unterzogen. Zuvor hatte der Barkeeper nach eigenen Angaben zwei Gläser Wein und zehn einfache Cognac getrunken gehabt. "Löst Alkoholkonsum bei Ihnen Aggressivität aus?", wollte die Richterin wissen, vor der sich der Barkeeper wegen des Vorwurfs des versuchten Widerstands gegen die Staatsgewalt verantworten musste. "Ich habe laut gedacht", antwortete der Barkeeper. Die Polizisten winkten das Fahrzeug an den Straßenrand und begannen mit einer Kontrolle. "Ich habe ihm zu verstehen gegeben, dass er aussteigen soll", berichtete einer der Polizisten. Der Barkeeper habe dieser Aufforderung Folge geleistet. "Er ist mir d...

Mit EU-Projekt "ins Schwimmen gekommen"

"Ich habe es total unterschätzt", gab ein 47-jähriger Unternehmer zerknirscht vor dem Schöffensenat zu. Die Staatsanwaltschaft hatte ihn wegen schweren Betruges im Zusammenhang mit einem EU-Sozialprojekt angeklagt. Schaden: Mehr als 100.000 Euro. Als Angestellter eines Sozialvereins hatte der 47-Jährige bereits Erfahrung mit Förderprojekten. 1999 machte er sich selbstständig und startete ein Projekt mit dem Ziel, die Frauenbeschäftigung in strukturschwachen Regionen zu erhöhen. Die Idee war, mit EU-Fördergeld rund 300 Mikroprojekte zu unterstützen. Das Budget betrug eine Million Euro, 85% der Kosten sollten gefördert werden, 15% als Eigenmittel aus anderen Quellen aufgebracht werden. Das Projekt lief jedoch komplett aus dem Ruder. "Im Schlussbericht hat der Angeklagte im Jahr 2002 nicht die tatsächlichen Ausgaben verzeichnet, sondern höhere Kosten", erklärte die Staatsanwältin. Damit habe sich der Angeklagte zwar nicht selber bereichert, aber seinen Trägerverein ret...

"Das ist gut trainiert!"

Auf den Diebstahl von Lederjacken und teurer Bettwäsche-Sets hatte sich ein 42-jähriger slowakischer Staatsbürger spezialisiert. Der Geschäftsleiter eines Textilgeschäfts hatte im März 2007 extra seinen Laptop zum Prozess mitgebracht. Er zeigte dem Richter, der Beisitzerin, den Schöffen, dem Staatsanwalt und dem Angeklagten sowie dessen Anwalt ein Video, das ein Jahr zuvor von der Überwachungskamera in seinem Geschäft aufgenommen worden war. "Da sieht man Sie beim Einpacken von Lederjacken! Das ist kein ganz schlechter Beweis", freute sich der Staatsanwalt. Und der Richter erklärte: "Das Video zeigt, wie Sie äußerst professionell zwei Lederjacken unter dem Mantel verstecken und das Geschäft verlassen." "Da ist viel Fingerfertigkeit dabei, das ist gut trainiert", fügte der Richter hinzu. "Das war ich", gab der Angeklagte zu, der kurz zuvor noch beteuert hatte, in dem Textilgeschäft nichts gestohlen sondern gemeinsam mit seiner Frau und seinen Kind...

80 Millionen vom "russischen Investor"

Ein 24-fach vorbestrafter, vielfach gescheiterter Unternehmer hoffte 2006 aufs große Geld: Über einen Vermittler hätte er an 80 Millionen Euro von einem russischen Investor herankommen wollen. "Zweimal bin ich nach Larnaka auf Zypern geflogen", berichtete der 54-Jährige bei einem Betrugsprozess im Jahr 2007. "Dort ist die Sache ständig verschleppt worden. Das hat mich nervös gemacht." Der in seiner Heimat Österreich bei allen Banken kreditunwürdige Ex-Häftling (letzte Entlassung: 15.12.2004) flog wieder nach Hause - ohne Geld. Dabei war er überzeugt gewesen: "Die 80 Millionen sind für mich sicher in der Hand. 50 für Österreich und 30 für weitere Kleinprojekte." Neben ihm auf der Anklagebank saß ein Freund (48) des mehrfach wegen Betrugs verurteilten Mannes. Der 48-Jährige hatte 600.000 Euro Schulden bei der Bank. Damit hatte er vier Reihenhäuser gebaut, leider in Deponienähe, weshalb man seit dem Jahr 2000 vergeblich Käufer suchte. Sein Freund, der 24-fach...

"An Hund hab' i eam wollen andrahn"

"Nach vielen Versuchen sehen wir uns endlich persönlich!", begrüßte der Richter den 19-jährigen Angeklagten. Zweimal war der junge Erwachsene den Vorladungen des Gerichts unentschuldigt nicht gefolgt. "Da war ich in der Berufsschule", argumenterte der Landschaftsgärtner-Lehrling. "Sie hätten ja anrufen können", ermahnte ihn der Richter. Die Polizei hatte den Angeklagten nun zum neuerlich ausgeschriebenen Verhandlungstermin vorgeführt. "Wenn die Vorführung nicht geklappt hätte, dann hätte ich österreichweit einen Haftbefehl gegen Sie erlassen", warnte der Richter den 19-Jährigen. Vorgeworfen wurde dem jungen Mann ein Einbruchsversuch bei seinem ehemaligen Chef. Er war über den Zaun ins Betriebsgelände eingestiegen und hatte versucht, mit einem Schraubenzieher die Eingangstüre aufzubrechen. "An Hund hab' i eam wollen andrahn", gab der Angeklagte zum Motiv bekannt. "Einen Zorn" habe er auf den Chef gehabt. "Ich wollte ...

Kleckserei beim Nachbarn

Zwischen zwei Nachbarn, die früher gut befreundet gewesen sein sollen, hing der Haussegen schief. Und eines Morgens im Oktober 2006 war das Garagentor des 60-jährigen Nachbarn mit brauner Farbe "verziert". Tatverdächtig: der 78-jährige Nachbar. Vor Gericht entspann sich einleitend der folgende Dialog: Richterin: "Warum sind Sie da?" Beschuldigter: "Wegen einer Angelegenheit im Rausch." Richterin: "Was wird Ihnen da vorgeworfen?" Beschuldigter: "Ich weiß nicht, was der Herr will." Richterin (ironisch): "Ich sehe, Sie sind bestens informiert... Was haben'S denn gemacht im Rausch?" Beschuldigter: "Ich weiß nicht..." Erst als die Richterin ankündigte, ein Gutachten zur Verhandlungsfähigkeit des Pensionisten einholen zu wollen, kehrte dessen Erinnerungsvermögen zurück. Bereits im September 2006 soll er den Zaunsockel des Nachbarn mit Farbe bekleckst haben. "Das hat er bei mir auch gemacht", verteidigte sich ...

"Spielsucht größer als Vernunft"

Wenn ein Spielsüchtiger als Angestellter eines Wettbüros arbeitet, ist Ärger quasi vorprogrammiert. Auch ein 28-jähriger gelernter Maurer tappte in die Glücksspielfalle. Im Juli 2006 richtete er bei seinem Arbeitgeber, einem Wettbüro, einen Schaden von 5558 Euro an. Am 12. Juli 2006 hatte der Beschuldigte Nachtdienst in dem Wettlokal. Viel war nicht los, also blieb Zeit, um selbst das Glück herauszufordern. "Ich habe auf Hunderennen gewettet", erinnerte sich der Beschuldigte an seine Strategie in dieser Nacht. 3658 Euro waren weg wie nichts. Den flöten gegangenen Einsatz legte der Wettbüro-Angestellte allerdings nicht in die Kassa. "Ich wollte das Geld wieder zurückgewinnen und lud deshalb eine Spielkarte mehrfach mit Geldbeträgen auf", berichtete der Mann vor Gericht. Die Pechsträhne riss nicht ab. 1000 Euro verlor er beim Roulette-Spiel, danach 500 Euro und zweimal 200 Euro. "Die Spielsucht war größer als die Vernunft", gab der Beschuldigte zu. Er habe s...

Scharmützel am Straßenrand

Ein Sommerabend Ende August 2006, ländliche Straße, leider keine reine Idylle. Zwei Autofahrer treffen aufeinander. Der eine, 29 Jahre alt, sitzt in einem PKW mit ungarischem Kennzeichen. Der andere, ein 21-jähriger Soldat, fährt hinter ihm und ärgert sich. "Seine Fahrweise hat mich extrem gestört!", sagte er vor Gericht. "Wahrscheinlich hat er sich aufgeregt, weil ich nur 90 gefahren bin", meinte der andere. Es folgt: Wechselweises Überholen, Abbremsen vor dem überholten Fahrzeug, Aufblenden. Und dann: Bei einer Busstation fahren beide Lenker rechts ran. Showdown am Straßenrand. "Er steigt aus, nimmt die Pistole, repetiert durch - vom Fernsehen kenne ich das Geräusch, Tschack-Tschack - und hält mir die Pistole an", berichtete der 29-Jährige. "Scheiß-Ungar", soll der Soldat zu ihm gesagt haben, "i blas' di um!" Der Soldat bestritt, eine Pistole in der Hand gehalten zu haben. Vielleicht habe sein Kontrahent das Handy, mit dem er kurz...

"Ich war so angesoffen!"

"Um 18 Uhr", berichtete der Angeklagte, "habe ich zum Saufen angefangen." Das war im Sommer 2006 bei seinem Bruder. Dann trank der Maurer bei einem Fest am Badeteich weiter. "Ich habe ein paar Barcadi-Cola getrunken. Zehn, wenn nicht mehr. Und ein paar Bier." In der Bezirkshauptstadt fand ein Fest statt, auch dieses besuchte der Maurer. Die Nacht ließ er in der Bezirksdisco ausklingen. Gegen 3.40 Uhr wurden Gäste darauf aufmerksam, dass ein Mann am Parkplatz vor der Disco auf Autos einschlug. "Ein Kellner kam und sagte: Am Parkplatz sind Autos beschädigt worden. Wir sollen schauen, ob unsere auch dabei sind", berichtete ein Discobesucher, bei dessen Auto eine Türe demoliert worden war. "Ich bin hinausgegangen und habe mein bechädigtes Auto gesehen", erinnerte sich ein zweiter Autobesitzer, der sein Auto mit zertrümmerter Windschutzscheibe aufgefunden hatte. "Ich kenne ihn", sagte er über den Angeklagten. "Er saß in der Mi...