Stringtanga am Gartentürl


"Mein Ego ist halt weg, dass mich eine so kleine Frau so zu Fall bringt", schmollte der 53-jährige Angeklagte bei der Verhandlung wegen fortgesetzten Stalkings, leichter Körperverletzung und gefährlicher Drohung Ende Juli 2007.

Der Pensionist hatte seiner Ex-Freundin am 6. Mai 2007 einen schwarzen Stringtanga an das Gartentürl gehängt.

"Bei Durchsicht meiner Wäsche habe ich das gefunden", erklärte der Angeklagte.

"Hätte man das nicht eleganter lösen können?", fragte die Anwältin seiner Ex-Freundin.

"Ich habe diese Frau geliebt!", schüttete der Angeklagte sein Herz aus. "Ich wollte, dass sie sich entschuldigt."

"Zwei Monate haben wir zusammengelebt", berichtete die Ex-Freundin, die den Pensionisten mehrfach wegen Stalkings angezeigt hatte.

"Das erste Jahr nach der Trennung war sehr turbulent. Auf Anraten sämtlicher Experten habe ich den Kontakt komplett abgebrochen", erzählte die Frau weiter.

Mit dieser Kontaktsperre war der Pensionist offenbar nicht einverstanden.

Er soll seiner Ex-Freundin Hundefutter über den Zaun geworfen, Rosen, Schokolade und mit Herzen verzierte Bierdeckel vor die Tür gelegt haben.

"Ich habe für diese Frau viel aufgegeben", behauptete der Angeklagte. "Ich habe diese Aktionen gemacht, um vor Gericht eine Aussprache herbeizuführen."

Der Richter ermahnte ihn, dass man "gewisse Dinge nicht erzwingen kann".

Mitte Juni 2007 hatte die erste Verhandlung wegen beharrlicher Verfolgung mit einer Diversion geendet. Am Abend traf der Stalker in einem Wirtshaus auf einen Hobbymaler.

"Wo trifft man die meisten Leute? In einem Lokal. Da habe ich immer meine Zeichenmappe mit", berichtete der Künstler.

Der Angeklagte habe ihm ein Foto seiner Ex-Freundin gezeigt, daraufhin habe er zu zeichnen begonnen.

Als er dem Angeklagten stolz das Kunstwerk präsentierte, schlug ihm dieser mit der Faust ins Gesicht. Am Bild konnte man die Verflossene oben ohne erkennen.

Am nächsten Tag soll der Stalker dem Maler noch Folgendes mitgeteilt haben: "Du hast gestern a Maßen gehabt. Wenn ich ein Messer gehabt hätte, hätte ich dich umgebracht!"

Anfang Juli 2007 empfahl der Angeklagte der Polizei telefonisch, diese solle seine Ex-Freundin "abpassen" und einen "Alkotest machen".

Gegenüber einem Polizisten soll er geäußert haben: "Irgendwann hack' i sie um!"

"Daran kann ich mich nicht erinnern", sagte der Angeklagte. "Im Zorn sagt man viel."

"Ich habe ihm oft gesagt, dass ich nicht will, dass er mir SMS schreibt, mich anruft und mir Dinge in den Garten wirft", sagte die Ex-Freundin vor Gericht.

Ihr Ex-Freund habe versprochen, dass er sie in Ruhe lassen werde. "Das habe ich sogar schriftlich. Es hat aber nie lange angehalten", sagte die Frau.

"Er wirft Ihnen vor, dass Sie ihn provozieren", sagte der Richter.

"Ja, durch meine Existenz", erwiderte die Frau. Sie wolle ihren Frieden haben und sei bereit, sich zu entschuldigen, wisse aber nicht, wofür.

Eines Morgens fand sie Muscheln rund um ihr Auto verteilt. "Ich habe das fotografiert und in ein Sackerl gekehrt." Das Sackerl übergab sie einem Freund ihres Ex-Lebensgefährtin. Dieser sprach in seiner Zeugeneinvernahme von einem "Sackerl voll Hundekot". "Vielleicht waren auch zwei so Stückerl drin", gab die Ex-Freundin zu.

Zwei Jahre und vier Monate habe sie es ertragen müssen, dass der Angeklagte Sachen bei ihrem Haus "hinwarf und hinhängte". Selbst nach der Diversion Mitte Juni 2007 seien die Belästigungen fortgesetzt worden.

So seien am Tag nach der Verhandlung im Juni intime Fotos mit wüsten Beschimpfungen über die Straße verteilt gewesen. "Wenn eine Freundin nicht zufällig vom Joggen zurückkommt, sehen das alle Leute!", empörte sich die Ex-Freundin.

"Seit zwei Monaten habe ich eine g'scheitere Freundin", gab der Angeklagte vor Gericht bekannt. "A Frau Magista!" Er gebe jetzt eh Ruhe, versprach er.

"Auf eine Diskussion über Schönheit und andere Qualitäten wollen wir jetzt nicht eingehen", sagte der Richter und verurteilte den Mann zu vier Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung.