Häftling organisierte Cannabiszucht

Während er eine zweijährige unbedingte Gefängnisstrafe absaß, kümmerte sich ein 48-jähriger Mann weiterhin fleißig um sein Drogengeschäft.

"Man kann ihn als Hanfbauer bezeichnen", sagte der Staatsanwalt beim Prozess gegen den Häftling, der sich im April und Juni 2007 die Anklagebank mit seiner Freundin, einem Haftkumpel und vier weiteren Angeklagten teilte.

Der Hauptangeklagte war wegen des Erzeugens großer Cannabismengen 2003 zu drei Jahren unbedingter Haft und 2005 zu weiteren zwei Jahren Haft verurteilt worden.

Aus der Haft heraus und später als Freigänger betrieb dieser "Spiritus rector", so der Staatsanwalt, mit Unterstützung seiner Freunde im Jahr 2006 wiederum vier Cannabisplantagen. Zwei davon profitierten vom milden pannonischen Klima im burgenländischen Seewinkel, eine Plantage befand sich in Niederösterreich, eine weitere in einer Wohnung in Wien.

Der Cannabisbauer wurde observiert. Ein Video zeigte ihn, wie er eine der burgenländischen Plantagen mit einem Rucksack aufsuchte.

Seine 34-jährige Freundin, die ihren Job als Buchhalterin im Zuge der Polizeiermittlungen verloren hatte, war vom Hanfbauer damit beauftragt worden, Cannabispflanzen zu besorgen.

Ein 49-jähriger Freund des Häftlings, mit zehn Vorstrafen "ausgestattet", wie es der Staatsanwalt formulierte, betreute die Plantage in Niederösterreich. Ein weiterer 42-jähriger Freund (16 Vorstrafen, "Kiffer" seit 30 Jahren), kümmerte sich um eines der Anbaugebiete im Burgenland.

Ein Haftkumpel des Drahtziehers, ein 37-jähriger Installateur, war 2005 bereits Freigänger, als der 48-Jährige das Gefängnis noch nicht verlassen durfte. Auf seinen Freigängen setzte der Installateur im Seewinkel Cannabispflanzen ein, die die Buchhalterin mit der 40-jährigen Freundin des Installateurs besorgt hatte.

Der Installateur erntete eine Plantage im Seewinkel ab und hängte bei seiner Freundin am Dachboden das Cannabis zum Trocknen auf.

Der "Spiritus rector" bekannte sich vor Gericht schuldig, 2006 vier Cannabisplantagen angelegt zu haben. Zum "Kiffer" habe er gesagt, dass sich im Schilf am Neusiedler See eine Plantage befinde, "wo sich keiner mehr reintraut", weil der 49-jährige Mittäter dort von einem Jäger gesehen worden war.

"Wir wussten, dass observiert wird", sagte der 48-Jährige, der sich auch schuldig bekannte, 2003 und 2004 weitere Cannabisplantagen betrieben zu haben.

Das eine Kilogramm Cannabis, das bei einer Hausdurchsuchung in seiner Wiener Wohnung gefunden worden war, gehöre ihm aber nicht, so der Angeklagte. "Die Wohnung war untervermietet", erklärte er.

"Möglich ist es schon, dass es nicht ihm gehört, aber sehr, sehr unwahrscheinlich", sagte dazu der Staatsanwalt. "Möglich ist vieles, auch dass ich nächstes Jahr zum Mond fliege. Aber wahrscheinlich ist es nicht."

Als Haft-Freigänger war der 48-Jährige "am Papier" bei einer Firma beschäftigt. Pro Monat zahlte er dem Chef dieser Firma 2000 Euro für die Arbeitsbestätigung. "Das ist ein Freundschaftsdienst", soll der Häftling laut seiner Freundin gesagt haben. "Inzwischen ist er anderen Arbeiten nachgegangen", berichtete die Frau.

Sie erzählte auch von einer Fahrt ihres Freundes mit weiteren Beteiligten nach Wien: "Da wurden sie von der Polizei aufgehalten, weil sie im Baustellenbereich zu schnell gefahren sind. Danach hat mein Freund gesagt: Da haben wir Glück gehabt, dass ihnen nichts aufgefallen ist, weil ich noch ein paar Asterl im Rucksack gehabt hab'!"

Der Staatsanwalt wunderte sich, dass die 34-Jährige ihren guten Job als Buchhalterin bei einer Steuerberatungskanzlei riskierte, um ihrem Freund zu helfen, in den sie seit zwei Jahren verliebt sei. "Ich bin da reingerutscht", sagte die Angeklagte. "Ich habe gesagt, die Pflanzen besorge ich, aber das war schon zu viel des Schlechten."

Ihr Freund rauche fünf, sechs Joints pro Tag. "Für mich ist das viel", sagte die arbeitslose Buchhalterin. Sie selbst sei seit 2002 suchtgiftabhängig und konsumiere nur einen Joint täglich.

"2003 wusste ich anfangs nicht, was da bei uns am Dachboden passiert ist", berichtete die 40-jährige Angeklagte, Angestellte und Mutter eines kleinen Kindes. Zufällig habe sie entdeckt, dass ihr Freund und der Drahtzieher der Drogenproduktion Cannabis zum Trocknen aufgehängt hatten.

"Ich wollte davon gar nichts wissen!", beteuerte die drogenabstinente Frau. Ihr Freund sei dann verhaftet worden, sie sei eingesprungen und habe zwei Kilogramm Cannabis geputzt und an einen ebenfalls angeklagten, 41-jährigen Abnehmer weitergegeben.

"Für die Unbelehrbaren kann es nur hohe Haftstrafen geben", stellte der Staatsanwalt am Ende des Prozesses klar. Er wisse auch, warum der "Spiritus rector" trotz seiner beiden Vorstrafen den Drogenanbau aus der Haft heraus weiter betrieben habe: "Weil es ein lukratives Geschäft ist."

Der Hauptangeklagte wurde zu drei weiteren Jahren Haft verurteilt, die beiden Gehilfen zu 20 Monaten bzw. einem Jahr Haft. Der Haftkumpel musste 15 Monate absitzen.

Die beiden Frauen erhielten bedingte Haftstrafen im Ausmaß von zwei Jahren, der Abnehmer im Ausmaß von 18 Monaten.