Blüte zu Papis 60er

Lustig sind manche Leute am Land. Immer zu Scherzen aufgelegt.

Auch bei einem 60-jährigen Beamten in Ruhe rannte immer der Schmäh.
Seine jüngste Tochter nannte er eine "Armenhäuslerin". Das wollte sie nicht auf sich sitzen lassen.

Zu Papis 60er ließ sich die Lagerarbeiterin etwas Besonderes einfallen.
Sie legte einen echten 200-Euro-Schein auf den Kopierer und fertigte eine Blüte an.

Sorgfältig schnitt sie den falschen 200er aus und schob ihn mit einem echten Hunderter in ein Kuvert. Mit lieben Glückwünschen von der Tochter.

"Ich dachte, irgendeinen Schmäh muss ich bringen. Weil er immer sticheln tut", sagte die wegen Geldfälscherei angeklagte 28-jährige Lagerarbeiterin vor Gericht.

Am Samstag, 30. 9. 2006 hatte der Jubilar 70 Gäste ins Dorfwirtshaus eingeladen. Alle überreichten ihre Geldgeschenke, 2300 Euro für eine Wohnmobilreise durch Island kamen zusammen.

In einem der vielen Kuverts steckte der falsche 200er.

"Am nächsten Tag hat meine Frau das Geld herausgenommen", erzählte der Pensionist vor Gericht. "Sie hat mir ein Packel Scheine gegeben."

Der frischgebackene 60er ging damit ins Wirtshaus, um die Rechnung für die Konsumation in Höhe von 1300 Euro zu begleichen.

"Mir ist nichts aufgefallen", gab die Tochter des Wirten zu Protokoll. Sie hatte das Geld entgegengenommen.

Am Montag stand der Wirt vor dem Bankschalter, um das kassierte Bargeld einzuzahlen.

"Ich habe das Geld schnell runtergezählt und dann zur Seite gelegt, weil ich noch mit Kundschaften zu tun hatte", sagte die Bankangestellte.

Später habe sie die Scheine nochmals zur Hand genommen und bemerkt, dass ein Geldschein gefälscht war.

Sie informierte den 74-jährigen Wirt, der rief den pensionierten Beamten an.

"Er sagte, da ist ein falscher Schein dabei gewesen", erinnerte sich der 60-Jährige. "Ich sage, das kann ja nicht sein!"

Als er seiner jüngsten Tochter die Story erzählte, habe sie gelacht. "Sie hat gesagt: Da habe ich dir ein Ei gelegt", so der Vater.

"Wir sind ein bissl lustige Leute daheim", machte er seiner Tochter gar keinen Vorwurf. "Damit hat sie nicht gerechnet, dass ich damit zahlen gehe! Schuld bin ich, weil ich mir das Geld nicht angeschaut habe."

Die Geldfälscherin gab zu ihrer Entschuldigung an, sie habe bei der Geburtstagsfeier nicht bis zum Schluss bleiben können, weil nachts in ihrer Firma Inventur durchgeführt worden war.

Am nächsten Tag habe sie ihren Vater nicht angetroffen, als sie von der Arbeit kam.

"Ich dachte, das sieht man eh. Der Schein war ja nicht perfekt."

"Wie haben Sie sich das eigentlich gedacht, dass Sie die Kontrolle über den Schein behalten, damit dieser nicht in falsche Hände gerät", wollte der Staatsanwalt wissen.

"Ich war der Meinung, dass das Geld noch ein paar Tage liegen bleibt", sagte die Angeklagte zerknirscht. Sie habe nicht angenommen, dass ihr Vater damit zahlen würde.

Die Richterin verurteilte die 28-Jährige wegen Geldfälscherei zu drei Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung. Sie hielt der Angeklagten vor, keine Vorkehrungen getroffen zu haben um zu verhindern, dass die Blüte in Umlauf gerät.

Bewusst habe sie den "Spaß" soweit getrieben, dass es passieren konnte, dass er Vater die Niete tatsächlich ausgab.

"Des Urteil is' a Schand'!", empörte sich der im Gerichtssaal anwesende Vater. "Die Tochter hat noch nicht einmal einen Strafzettel bekommen!"