"Die Klinge ist scharf. Sehr scharf!"
Im Zuge eines Praktikums einer angehenden Heimhelferin kam es am 22. Februar 2011 in einem Altenheim zu einer Auseinandersetzung. Die Praktikantin, eine gebürtige Polin, soll dabei eine andere Frau bedroht haben und stand deshalb vor Gericht.
Gleich zu Prozessbeginn kündigte der Verteidiger an, er werde beweisen, "wie aus Neid eine Niedertracht und aus Niedertracht eine falsche Beschuldigung entstanden" sei.
„Ich sprach beim Frühstück mit den anderen drei Beschäftigten darüber, dass ich die Kosten für den Heimhelferinnen-Kurs vom AMS ersetzt bekomme“, berichtete die 49-jährige Beschuldigte, die in ihrer Heimat die Krankenschwesternschule absolviert und dann von einer österreichischen Bildungsinstitution die Chance erhalten hatte, die Heimhelferinnen-Ausbildung zu besuchen.
Eine der Kolleginnen habe es als „Frechheit“ bezeichnet, dass die Kurskosten der Kollegin bezahlt wurden, und sich darüber geärgert, dass die „eigenen Leute das aus der eigenen Tasche bezahlen müssten“.
"Das war ein lockeres Gespräch. Die Kritik richtete sich gegen das System in Österreich", sagte die Beschuldigte.
„Ich sagte: Das ist eine schwere Arbeit. Wo ist der Unterschied, ob das eine Polin oder eine Österreicherin macht?“, so die Beschuldigte weiter.
"Sie sagte: Die Österreicher sind faul und fett", berichtete eine der Zeuginnen. "Und ich sagte, die Ausländer kommen daher und kriegen alles bezahlt."
"Das stimmt nicht", erwiderte die Polin. Sie haben während eines Österreich-Urlaubs ihren Mann kennengelernt, mit dem sie nun bereits siebeneinhalb Jahre verheiratet sei. "Das ist meine zweite Heimat."
Sie soll im Zuge des Gespräches ein Messer genommen, über die Klinge gestrichen und gesagt haben: „Das Messer ist scharf. Sehr scharf.“
"Sie hielt das Messer in Brusthöhe in meine Richtung", erinnerte sich die Zeugin.
"Das stimmt nicht", sagte die Polin. "Ich glaube, die Damen wollten mich weg haben. Sie wollten etwas machen, dass ich den Kurs nicht bezahlt bekomme und ich keine Ausbildung habe."
Am nächsten Tag sei sie zur Pflegeleiterin gerufen und darüber informiert worden, dass ihr Praktikum beendet sei. „Ich dachte, das ist ein schlechter Albtraum“, sagte die Ex-Praktikantin.
„Ich habe mich momentan bedroht gefühlt, wenige Sekunden danach dachte ich mir: Was soll’s?, und fürchtete mich nicht mehr“, erklärte jene Frau, gegen die sich die Attacke gerichtet haben soll.
„Das ist keine gefährliche Drohung“, meinte der Richter.
„Eine momentane Beunruhigung ist juristisch zu wenig.“ Er sprach die Frau frei, ermahnte alle Beteiligten aber: "Das ist ein Verhalten, das in einem Pflegeheim nichts zu suchen hat."